Klassiker der visuellen Kommunikation
Kommunikation und Verständigung Wie können wir effektiv kommunizieren, wenn wir weltweit über 6000 Sprachen verwenden? Wie können wir Informationen aufnehmen, wenn wir die Sprache nicht lesen oder verstehen können? Eine Lösung dieses Problems ist die Kommunikation mithilfe von Piktogrammen. Diese Symbole ermöglichen es, Informationen allein über Bilder zu vermitteln. Eine solche Bildsprache kommuniziert visuelle Informationen, die jeder sehende Mensch verstehen kann, unabhängig von Kultur Sprachkenntnissen oder Bildungshintergrund. Die kompakten Bildsymbole sparen Platz, sie sind leicht und schnell verständlich. Neben geschriebener und gesprochener Sprache sind visuelle Symbole, also Bildzeichen, in unserer Zeit zum unentbehrlichen, international sofort zu entschlüsselnden Verständigungsmittel geworden.
Was sind Piktogramme? Abgesehen von ihren gestalterischen Unterschieden haben gesprochene, geschriebene und visuelle Sprache den gemeinsamen Auftrag, Informationen zu kommunizieren. Piktogramme als visuelle Symbole sind, im Gegensatz zu schriftlichen und verbalen Formen, unabhängig von Sprach- und Lesekenntnissen. Bildsymbole werden schnell und intuitiv erkannt. Bei Relevanz oder Interesse wird die vermittelte Information im Gehirn dann weiterverarbeitet, entschlüsselt und verstanden. Wenn man der Definition nachgeht, ist ein Piktogramm ein einfaches, eindeutiges Bildzeichen, das eine mündliche oder schriftliche Bezeichnung ersetzt. Es ist ein verbale Grenzen überschreitendes Bildsymbol, das in allen Sprachen verständlich ist. Der Begriff setzt sich aus dem lateinischen "pictus" (Bild) und dem griechischen "graphein" (schreiben) zusammen und bedeutet "schriftliches Bild". Der Duden definiert ein Piktogramm als ein formelhaftes, grafisches Symbol mit international festgelegter Bedeutung. Geschichtlich sind Piktogramme die Vorläufer verschiedener Schriften. Schon Steinzeitmenschen benutzten die Bildsymbole für ihre Höhlenmalereien. Sie zeichneten ihre Erlebnisse in Bildgeschichten an die Steinwände. Auch die Keilschrift und die Hieroglyphen sind Schriften, die eine Bilder- und Symbolsprache verwendeten.
PiktogrammsystemeMit dem modernen Verkehrswesen, der wachsenden Mobilität und immer komplexeren, internationalen Großveranstaltungen ging der Bedarf nach neuen, modernen Kommunikationssystemen einher. In den 20er Jahren entwickelte der österreichische Sozialphilosoph und Ökonom Otto Neurath erstmalig ein aus Piktogrammen bestehendes Visualisierungssystem, das international verständlich dargestellt werden konnte: das "International System of Typographic Picture Education" kurz genannt die "Isotype". Allerdings zielte die Isotype nicht darauf ab, verbale und schriftliche Sprache zu ersetzen, sondern das Lernen bei Kindern im Rahmen einer bildhaften Pädagogik zu unterstützen. Vorreiter für die Verwendung von Piktogrammen in Form der ersten piktografischen Leit- und Orientierungssysteme im öffentlichen Raum waren die Olympischen Spiele 1964, 1968 und 1972.
Aicher PiktogrammeEinen großen Beitrag zur global möglichen Verständigung lieferte der Designer Otl Aicher zu den Olympischen Spielen 1972 in München mit seinem speziell für diese Spiele entwickelten Piktogrammsystem, das auch ein komplettes Leit- und Orientierungssystem aus Piktogrammen enthält. Aichers Piktogramme sind heute Klassiker der visuellen Kommunikation, sie gelten als kulturelle Leistung und Meilensteine der Designgeschichte. Die Piktogramme waren revolutionär, weil sie die bis dahin üblichen Kommunikationskonzepte durch den Systemgedanken erheblich vereinfachten. Aichers Bildsymbole bilden ein hochaktuelles und zeitgemäßes Kommunikationsmittel für unsere global orientierte Welt. Sein Piktogrammsystem ist zum festen Bestandteil unserer täglichen Kommunikation geworden. Die Bildsymbole befinden sich auf Hinweisschildern, Internetseiten und Schriftstücken. Sie treten bei Sportveranstaltungen und als Bestandteil von Orientierungssystemen aller Art in Erscheinung.




