Die Olympischen Spiele 1972
Das Team um Aicher nutzte die Piktogramme nicht nur als funktionale Elemente der Informationsvermittlung, sondern auch als flächige Gestaltungselemente mit hoher ästhetischer Qualität - wie hier auf den Umschlägen der Programmhefte der unterschiedlichen Wettkampfdisziplinen.
Das Nationale Olympische Komitee (NOK) wurde 1966 für die anstehenden Olympischen Spiele 1972 in München gegründet und beschloss schon früh, mit der Hochschule für Gestaltung (HfG) und dem Designer Otl Aicher zusammenzuarbeiten. Die HfG bezog Kommunikation nicht auf Design und Technik, sondern fokussierte den Menschen und seine soziale Interaktion als Mittelpunkt der gesamten Kommunikationsprozesse. Dieser Blickpunkt ermöglichte eine sehr praktikable und erfolgreiche Corporate Identity für die Spiele von 1972. Aicher hatte schon mehrere große Erscheinungsbildaufträge erfolgreich abgeschlossen und war zu dieser Zeit einer der führenden deutschen Designer. Als Gestaltungsbeauftragter der Spiele wählte er sein Designerteam sorgfältig aus, in dem unter anderem Rolf Müller, Alfred Kern, Thomas Nittner, Gerhard Joksch und Elena Winschermann zusammenarbeiteten. Die Olympischen Spiele 1936 in Berlin waren ein schweres Erbe für Deutschland, gerade in Hinblick auf Gestaltung und Kommunikationsinhalt der Spiele. Erklärtes Ziel war es, die Spiele in München von dieser Vergangenheit deutlich abzugrenzen. Aicher arbeitete mit einer überschaubaren Anzahl von universellen, einfachen Kommunikationselementen, die das Fundament für das Erscheinungsbild der Spiele 1972 bildeten, nämlich Farbe, Piktogramme, Schrift, Format und Gestaltungsraster. Dadurch passten alle visuellen Elemente eindeutig zusammen. Das Team entwickelte ein standardisiertes Gesamtsystem, das Flexibilität ermöglichte und zugleich für Schlüssigkeit sorgte.
Die visuelle Identität des Erscheinungsbildes der Spiele in München beruhte auf Beziehungen. Die verwendeten Farben sollten Deutschland von Nord bis Süd repräsentieren und eine fröhlich bunte, internationale Stimmung hervorrufen. Für München stehen die Alpen, welche mit den Farben Hellblau und Weiß assoziiert werden. Auch werden mit diesen Tönen Jugendlichkeit, Frische und Frieden verbunden. Abgesehen von ihrer ästhetischen Funktion sollten die Farben Ordnung und Struktur schaffen. Otl Aicher ordnete die Töne spezifischen Bereichen zu: Hellblau als Grundfarbe stand für das Wesentliche, den Sport, und war die offizielle Farbe des NOK. Grün symbolisierte die Medien, Orange die Technik und Silber wurde für repräsentative Zwecke verwendet. Aicher ordnete die Farben als Regenbogen an. Uniformen, Schriftstücke und sonstige visuellen Elemente wurden diesem Farbcodesystem angepasst. Das Designteam konzentrierte sich darauf, allein das sportliche Event zu kommunizieren, ohne irgendetwas besonders hervorzuheben. Durch diese sachliche Neutralität und gleichzeitig bunte Fokussierung auf den Sport wurde die Internationalität der Spiele 1972 unterstrichen. Es fanden viele Events als Rahmenprogramm statt, vom Konzert bis zum Folkloreabend. Ergänzend richtete Aicher auch die Poster und sonstigen kommunikativen Mittel nach dem Erscheinungsbild der Spiele aus. Das Konzept von Aicher ging auf und das Visualisierungssystem wirkte sich positiv auf Deutschlands Image in der Welt aus.




